Hate Aid

Fearless Democracy e.V. launcht die HateAid gGmbH zusammen mit campact!

Von Gerald Hensel, 1. Vorsitzender Fearless Democracy e.V.

Nach vielen Monaten Arbeit im Team haben wir unser Projekt HateAid gemeinsam mit unseren Freunden von campact! e.V. in eine eigenständige gemeinnützige Organisation überführt. Die HateAid gGmbH in Berlin wird Deutschland erste vollumfängliche Adresse, die den Blick weg von Hatern und hin zu denen lenken soll, die Hass im Netz empfangen. Fearless Democracy e.V. ist bei diesem innovativen neuen NGO Gesellschafter und bleibt bei allen wichtigen Entscheidungen involviert. Dank unserer Unterstützer und Spender und der guten Zusammenarbeit mit campact!, werden wir damit eine Lücke schließen können, die für all die einen echten Schritt nach vorne bedeutet, die sich bisher alleine dem digitalen Mob ausgesetzt sahen.

Wer uns schon eine Weile folgt, weiß, dass es in letzter Zeit etwas ruhiger auf dieser Seite geworden ist. Das tut mir persönlich leid, aber wir haben seit einem halben Jahr wirklich viel gearbeitet: Am Launch von HateAid.

Die HateAid gGmbH wurde letzten Donnerstag im Haus der Bundespressekonferenz offiziell gelauncht. HateAid war immer unser Herz-Projekt. Im Laufe des letzten Jahres haben wir aber u.a. mit Campact e.V. einen Partner gefunden, der an dieses Projekt geglaubt und es massiv unterstützt hat. Andere Förderer und Unterstützer sind ebenfalls mit dabei.

Einen Teil der Idee für HateAid hatte ich mit Freunden nach dem existenziellen Erleben eines Shitstorms vor zweieinhalb Jahren. Nicht nur das eigentliche Erleben von Dutzenden von Morddrohungen und die Nötigungen und Beleidigungen, die über mein Umfeld und mich hereinbrachen, stifteten massive Unsicherheit. Pures Entsetzen löste bei mir damals die reine Erkenntnis aus, dass man Menschen in Deutschland den Tod nahe legen und sie bedrohen kann und es weder Polizei noch Staatsanwaltschaft ahnden kann – wenn es aus dem Netz kommt. Über Rufmord brauchen wir dabei gar nicht reden. Dafür interessierte sich zumindest damals absolut gar niemanden, wenn es digital stattfand.

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Der HateAid Launchfilm mit vier Betroffenen

Nun haben wir mit Fearless Democracy e.V. in den letzten Jahren als kleiner Verein viele Aktionen rund um neue Konzepte gegen Hass im Netz umgesetzt. Eine der wesentlichen Fragen bei so einem dynamischen Thema und einem so jungen Verein ist es, ob man eine Idee wie HateAid inhaltlich verständlich und gleichzeitig so nützlich machen kann, dass sie die Unterstützung findet, um mehr als nur ein paar Fälle bearbeiten zu können. Genau das schien uns mit HateAid gegeben. Durch unsere Freundschaft mit dem Kampagnennetzwerk campact! hatten wir dann irgendwann auch einen Partner, der das genau so sah. Zusammen ging es dann auf eine Reise. Eine Reise, die eine Idee, die wir eine Weile nur mit stark persönlichem Einsatz führen konnten, nun noch um einige Komponenten erweitert und sie finanziell so ausstattet, dass wir ein Angebot nun haben, das sich an jedermann richtet – übrigens politisch unabhängig.

HateAid: Persönliche und rechtliche Beratung sowie Aufklärung für das politische Berlin.

Die gelaunchte HateAid gGmbH ist eine gemeinnützige Organisation in Berlin, die ein Büro hat und mit seinem tollen Team rund um Anna Lena von Hodenberg loslegen kann. HateAid berät Angegriffene von Hass in Sachen psychosozialer Fragen, in Fragen rund um die persönliche Kommunikationspolitik nach einem Hassangriff und in Sachen persönlicher Sicherheit. Oft wird dabei vermittelt und auf externe Partner zurückgegriffen. Aber auch das kann sich bald ändern. HateAid will wachsen, damit wird auch das Team und die Kompetenzen größer.

Inhaltliche Beratung ist aber nur ein Teil des HateAid Angebots…

Ein Teil des HateAid Teams: Dr. Jan Sahl (Rechtsanwalt), Anna-Lena von Hodenberg (Geschäftsführerin), Gerald Hensel (Vertreter des Shareholders Fearless Democracy e.V.)

Ein ganz wesentliches, neues Element im Angebot von HateAid ist die rechtliche Begleitung von Menschen, die Hass im Netz erlebt haben. Durch einen besonders einfach und schnell „designten“ Zivilklageweg hat HateAid deutlich größere Erfolgschancen, Hater zu identifizieren und auch zur Schmerzensgeldzahlungen zu bringen. Wir arbeiten dabei politisch völlig unabhängig, um das Schmerzensgeld der Angegriffenen in einen Zahlungsfond einzuzahlen um den Klageweg für den nächsten kostenlos zu machen. Ein völlig kostenloses Konzept für die Angegriffenen und ein neues scharfes Tool gegen Hass im Internet, denn Meinungsfreiheit ist absolut nicht das Gleiche wie Beleidigungen, Nötigungen und Morddrohungen.

Es ist offensichtlich, dass wir neue Tools im Kampf gegen Hasskriminalität im Netz brauchen. Die letzten Wochen und der gewaltsame Tod von Kassels Regierungspräsidenten Lübcke haben einmal mehr in Erinnerung gerufen, wie nahe sich virtuelle und echte Gewalt bereits gekommen sind. Hier braucht es neue Lösungen statt Talkshows und gut meinende Werbekampagnen. Es braucht scharfe Mittel, es braucht Wissen und es braucht Unterstützung für die Angegriffenen statt Verständnis und wissenschaftliche Abschlussarbeiten über die Psychologie der Täter. Genau das soll HateAid jetzt als wichtigste vollumfängliche Beratungs-Anlaufstelle in Deutschland für digitale Gewalt nun leisten.

Wer Interesse an einigen der Presse-Artikel der letzten Tage hat: Hier sind einige davon…

Wir sind superhappy mit diesem Start und dem tollen Feedback. Auch wenn es für uns als Shareholder bedeutet, dass wir ein wichtiges Projekt nun loslassen müssen. Wir haben lange Zeit daran gearbeitet, dass wir die gesellschaftliche Veränderung in Bezug auf Hass und Manipulation im Netz auf eine neue Stufe heben können. Viele von euch haben uns dabei unterstützt und ich möchte mich bei jedem von euch dafür herzlich bedanken. Eine solche Idee auf die Straße zu bringen, bedarf immer eines engeren Teams, das mit viel Herzblut bei der Sache ist. Aber ohne euch als Spender, Designer, PMs, Texter, Ideengeber, Programmierer, Regisseure, Interviewpartner und so weiter, wäre dieses Projekt unmöglich gewesen. Danke jedem von euch.

Mit HateAid haben wir alle gemeinsam eine neue Organisation geschaffen, die eine dringend benötigte Lücke in Deutschland füllt. Wir von Fearless Democracy e.V. wissen, dass wir mit unseren Freunden von campact! und vor allem mit dem wahnsinnig tollen Team um Anna-Lena genau die richtigen Partner für unser Baby gefunden haben. Und wenn es ein Wort gibt, dass man beim Loslassen dieses fantastischen Projekts mitgeben kann, dann ist es das englische „Godspeed!“ Wir sind dabei. Aber wir wissen, dass ihr, HateAid, nun auch alleine die Gesellschaft verändern werdet. Und darauf sind wir stolz als Co-Gründer und Shareholder. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge – so fühlt man sich als Elternteil wohl manchmal.

Die HateAid Website findet ihr hier: https://hateaid.org

Wer konkrete Hilfe und Unterstützung sucht, wird hier fündig: https://hateaid.org/betroffenenberatung/

Auf Facebook findet ihr Sie hier: https://www.facebook.com/hateaid/

Und auf twitter hier: twitter.com/hateaid

Und was ist jetzt mit Fearless Democracy e.V.?

Wir sind ein agiles Projekt, das die Zivilgesellschaft im digital-kommunikativen Raum unserer Zeit stärken will. Wir versuchen klein zu bleiben und Themen zu befruchten, die an der Zeit sind. Das heißt auch, dass wir im Sinne eines Projektbüros Themen groß und eigenständig machen, die dann selbständig werden. Dabei suchen wir uns Partner und Themen aus und arbeiten dann zielgerichtet am nächsten Thema weiter. Ziel ist immer die offene Demokratie vor denen zu bewahren, die sie zur Erosion bringen wollen.

Die Gründung von HateAid hat etwa eineinhalb Jahre gedauert. Und wir sehen jetzt voller Stolz zu, wie aus dem kleinen Küken mit vielen Freunden ein stolzer Schwan wird, der nun als eigenständige Organisation weitermacht. Und auch wir werden weitermachen. Fearless Democracy e.V. wird sich u.a. ab jetzt stärker auf die Frage konzentrieren, wie Künstliche Intelligenz und Desinformation in unserer Zeit in Verbindung stehen. Hierzu werden wir bald mit einer neuen Idee an den Start gehen. Und wer weiß: Vielleicht gründen wir ja in eins, zwei Jahren mit eurer Unterstützung wieder aus…

Für diesen nächsten Schritt freuen wir uns natürlich über Spender für unsere kleine Organisation:

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