Hate Aid

In eigener Sache: Robert-Bosch-Stiftung unterstützt HateAid.

In eigener Sache:

Wir freuen uns sehr ankündigen zu können, dass Fearless Democracy e.V. vor wenigen Wochen eine durchaus wesentliche Unterstützung in Höhe von 50.000 Euro von der Robert Bosch Stiftung zugesagt bekommen hat.  Damit können wir den nächsten Schritt des für uns wichtigsten Projekts 2018 realisieren: eine interaktive Selbsthilfe Plattform für Menschen, die durch digitalen Massenhass angegriffen werden. Diese Plattform heißt Hateaid. Sie soll Selbstschutz bei digitalen Hasskampagnen vorantreiben, Angegriffene vernetzen und im Verein mit anderen Organisationen dort ein Beratungs- und Hilfsangebot darstellen, wo es das bisher nicht gab.

Das Geld der Robert-Bosch-Stiftung werden wir rein zweckgebunden für den Aufbau einer Selbsthilfe-Plattform ausgeben, die bis November 2018 gelauncht wird. Eine weitere private Spende nutzen wir zweckgebunden dazu, Menschen, die schon einmal groß angelegten Hass im Netz erlebt haben, zu interviewen und in Film-Beiträge für die Plattform Hate-Aid zu setzen. Wie gesagt: Die Finanzierungen sind rein zweckgebunden. Unser Verein selbst profitiert finanziell von diesen Zuwendungen nicht.

Titel unserer Online-Broschüre auf hateaid.me

HateAid hat als Beratungsprojekt im kleinen Rahmen schon letztes Jahr gestartet. Wir haben Menschen beraten, die mit Massenhass im Netz konfrontiert waren. Und von jedem Fall haben wir auch selbst gelernt. Eine erste Variante unseres Angebots kann man online als PDF herunterladen.

Zur Realität eines jungen, als Organisation immer noch eher überschaubar finanzierten Vereins, gehört eben auch der Enthusiasmus Projekte ohne Finanzierung und im Ehrenamt an den Start zu bekommen. Das haben wir immer so gehalten. Umso schöner, dass uns die Robert Bosch Stiftung nun in einem zweiten Schritt dabei hilft, dieses Projekt mit der nötigen Finanzierung vorwärts zu treiben. Denn gleich, ob es bei Hetzkampagnen gegen einen Bürgermeister vor Ort geht, eine Intellektuelle oder einen Aktivisten: Digital gesteuerter Massenhass ist intolerabel, gefährdet Leib und Leben der Menschen – und er gefährdet in vielen Dimensionen die offene Demokratie. Und: Er wird zum tagtäglichen Problem. Danke an die Robert-Bosch-Stiftung, dass sie den zutiefst demokratiegefährdenden Aspekt dieses Problems erkannt hat und gegensteuern hilft.

HateAid soll eines tun, was bisher im öffentlichen Diskurs kaum stattfindet: Es soll die Angegriffenen und nicht die Täter thematisieren.

Schutz gegen großangelegt Hasskampagnen gibt es derzeit praktisch keinen. Polizei und Justiz können derzeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten weder mit der Bedrohungslage durch groß angelegten virtuell ausgesteuerten Hass umgehen, noch können sie Betroffenen beistehen oder wirkungsvoll sanktionieren. Gleiches gilt für Opferberatungsstellen o.ä. So offensichtlich das Problem mittlerweile im Alltag Deutschlands im Jahr 2018 offenbar wird, umso erstaunlicher ist, dass Menschen nach wie vor sehr alleine mit Rufmordkampagnen, Aufrufen zur Gewalt gegen Einzelne und rassistischen Übergriffen stehen. Fälle wie die von Herrn Goerke in Fulda, die Digital-Kampagne gegen die Friseurkette Klier oder die rassistische Hetzjagd auf Philipp Awounou sind mittlerweile Daily Business in Deutschland. Wohlgemerkt: es geht dabei nicht um Free Speech oder ein böses Kommentar. Es geht um systematisch ausgesteuerten, groß angelegte Hetzjagden, die Menschen zerstören sollen – und das meist mit einem klaren inhaltlichen Zweck.

Nun gehört es zur Logik der Leute, die wir als die “digitale Wutindustrie” bezeichnen, dass man Vereinen wie uns kontinuierlich angebliche Verknüpfungen mit sinistren Mächten unterstellt, die uns angeblich finanzieren würden. Nichts könnte weiter von der Wahrheit sein. Und gerade weil wir in diesem Fall eine sehr große Finanzierung zugesagt bekommen haben, wollen wir diesen Betrag kontextualisieren.

Ein guter Moment, um mal über Geld zu reden.

Fearless Democracy e.V. ist weniger als ein Jahr alt. Unsere Gemeinnützigkeit wurde uns im September 2017 bestätigt. Das heißt: Wir sind gerade mal etwas länger als ein halbes Jahr sinnvoll von außen finanzierbar. Natürlich haben wir den Anspruch,  Themen, die uns wichtig sind (Digitaler Massenhass, Desinformation) im Verein mit anderen Institutionen offen zu vertreten. Nimmt man diesen Anspruch ernst – und das tun wir – braucht man als Verein dafür eine Organisation, die sich eben ein Stückweit auch finanziert. Diese Finanzierung als Organisation zu erringen ist gerade in einem “Neuland”-Thema wie unserem nicht unbedingt einfach. Es braucht gerade innovativ denkende Organisationen wie die Robert Bosch Stiftung, die den langfristigen Wert eines Projekt wie HateAid sehen, um uns zu unterstützen. Wir wollen uns sehr herzlich dafür bedanken.

Für unsere übrige Finanzlage werden wie jeder verantwortungsvoll handelnde Verein NACH unserem ersten Geschäftsjahr unsere Finanzlage natürlich offen und transparent machen. Nur eines vorweg: Der Grund, warum wir das bisher nicht getan haben, liegt nicht daran, dass wir von sinistren Mächten unterstützt sind. Es liegt nur daran, dass wir so jung sind, dass wir noch nicht einmal den ersten Kassensturz hinter uns haben. Hier aber schon einmal eine kleine Vorschau:

  • Fearless Democracy e.V. hat im letzten Jahr viele Einzelspenden erhalten. Jede davon hat uns geholfen und uns gerührt. Wir nehmen uns aber heraus, dass wir – aufgrund der uns eigenen Thematik – PRIVATE Einzelspenden ab 500 Euro in der Höhe benennen, nicht aber den Spender selbst. Hier gab es im letzten Jahr drei Spenden, für die wir uns besonders herzlich bedanken wollen. Eine davon war zweckgebunden.
  • Fearless Democracy e.V. hat darüber hinaus neben der Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, die bis November 2018 läuft, an zwei Wettbewerbern teilgenommen, die bisher Preisgelder in Höhe von je 5.000 Euro an uns ausgeschüttet haben. In einem Fall handelte es sich um eine Aktion von “Das Nettz – der Vernetzungsstelle gegen Hatespeech“, die uns zweckgebunden bei einer Aktion unterstützt haben. Einen Coaching-Wettbewerb der Initiative digital.engagiert haben wir, zusammen mit anderen Initiativen, auch für uns entscheiden können. Neben einem inhaltlichen Coaching-Programm, an dem wir derzeit teilnehmen, haben wir hier auch ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro ausgeschüttet bekommen. Danke dafür.
  • Last but not least: Sowohl Facebook als auch Google schütten gemeinnützigen Organisationen so genannte Ad Grants aus. In beiden Fällen haben wir uns beworben. Und in beiden Fällen haben wir digitale Werbeschaltungen im Sinne eines Gutscheins zugesprochen bekommen. Jeder gemeinnützige Verein kann sich dafür bewerben. Und natürlich wurde seitens der einschlägigen Tech-Konzerne nie eine Anforderung an unsere Arbeit gestellt, die wir auch niemals kompromittieren lassen würden. Dennoch: Ohne die Fähigkeit Inhalte zu sponsoren, wären wir z.B. auf Facebook praktisch unsichtbar.

Warum dieser lange Text über Geld?

Ganz einfach, weil wir bisher als junger Verein nie darüber gesprochen haben und uns die Förderung der Robert-Bosch-Stiftung erstmals einen echten Grund dazu gibt. 50.000 Euro sind sehr viel Geld, komplett im Rahmen eines Projekts zweckgebunden und wir werden damit ein wichtiges erstes Projekt auf die Straße bringen. Auch werden wir uns im Rahmen unserer übrigen Vereinsfinanzierung bald mit einem Transparenz-Update melden, damit wir uns von Anfang an als die finanziell durchsichtige Organisation zeigen, die wir sind und sein wollen.

Für den Moment möchten wir uns aber besonders bei der Robert-Bosch-Stiftung bedanken. Es gibt nicht viele Institutionen, die sich schon so lange so konsequent und so nachhaltig philanthropischen Themen widmen. Dass es ausgerechnet eine der großen “älteren” Unternehmensstiftungen in Deutschland ist, die sich einem so brennend akuten Thema wie digitalem Hass und ihrem Einfluss auf die Gesellschaft widmet, beeindruckt uns sehr, weil es einmal mehr für die ungemeine politisch-gesellschaftliche Empathie dieser Organisation in Deutschland spricht.

Vielen Dank dafür.

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