Wahlbetrug!!! Wie die AfD die Mär von den verlorenen Stimmen aufbaut.

Erinnern Sie sich noch daran wie Donald Trump im Vorfeld der Wahlen laut über Wahlfälschungen spekulierte? Zuerst um seine Widersacherin – und die damals noch wahrscheinliche Gewinnerin – zu diskreditieren. Und danach, um sein eigentlich schlechtes Abschneiden in den absoluten Stimmen zu vertuschen?

Der Vorwurf des Wahlbetrugs ist für Populisten ein ganz großartiges, fast schon klassisches argumentatives Tool. Schon der Vorwurf schürt Unsicherheit. Er verängstigt und provoziert zudem das Gefühl, dass wir alle in einer Gegenmatrix leben, in denen „die da oben“ „die da unten“ nach Strich und Faden betrügen: die klassische Populisten-Mär also.

Dass es gerade bei Wahlen zu Ungereimtheiten, gleich zu wessen Lasten, nicht kommen darf, ist klar. Dass dies wie bei jeder komplexen, an Menschen hängenden Aufgabe fast unmöglich ist, auch. So bei der NRW-Wahl, wo nachträglich die Anzahl der ausgerechnet auf die AfD entfallenden Stimmen um 2.204 nachträglich nach oben korrigiert werden musste. Dies hatte am Ende keinen Einfluss auf das Wahlergebnis und nach eingehender – damit auch für unser System sprechender – Untersuchung könnte der Fall eigentlich abgeschlossen sein.

Könnte.

Denn natürlich bietet sich der Fall für die AfD viel zu gut an, um die Mär vom Opfer durch Wahlbetrug zu spinnen. Schon im April hatten Meuthen und Petry in einem Schreiben an die OSZE um Hilfe bei der Wahl in Deutschland gebeten: „Wir haben Anlass zur Sorge, dass uns eine Teilnahme am Wahlkampf nicht in uneingeschränkter fairer Weise gewährleistet wird“, heißt es in dem Schreiben.

Diese Mär wird gerade wieder aufgewärmt und macht seit einigen Wochen – speziell unter Eindruck mieser Umfragewerte für die AfD – die Runde im Netz. Klar: Wer schon mal im Vorfeld mit möglichem Wahlbetrug argumentiert, kann jedes schlechte Ergebnis aufs System schieben. Und Wut aufs System hält bekanntlich die Interaktionsquoten hoch, die ja auch nicht mehr das Wahre sind.

So muss Frauke Petry auch auf Facebook die OSZE vor der Bundestagswahl um Hilfe bitten (ich liebe ja ihr Lachen auf dem Post)

Alice Weidel betont immer wieder, dass auf dem besten Weg nach Nordkorea sind und die Wahlen natürlich gefährdet sind.

Und natürlich musste auch Beatrix von Storch ihren Senf dazu geben, als sie der OSZE von dem Unrechtsstaat, in dem sie leben muss, berichtete.

Das Resultat? Kann man sich hier anschauen. Dass die AfD das Thema in den nächsten Wochen weiter spielen wird, ist jedenfalls gerade in Zeiten immer schlechter werdender Umfragewerte zu erwarten.

Übrigens. Die AfD wird zwar nicht müde zu behaupten, dass sie OSZE Wahlkampfbeobachter eingeladen hätte. Tatsache ist aber, dass die Bundesregierung selbst die OSZE-Experten bereits im März einlud – und das nicht zum ersten Mal. Zur Bundestagswahl 2013 waren zwei Beobachter vor Ort, 2009 sogar 15. Ihre Abschlussberichte sind zusammen 50 Seiten lang, aber das Fazit ist: Kein Grund zur Sorge.

Photo by Arnaud Jaegers on Unsplash

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